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Wellensittich zähmen – So gelingt es auch dir!

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Foto: pixabay

Da sitzen sie nun. Deine neuen gefiederten Freunde. Sicher ist dir bereits aufgefallen, dass deine Wellensittiche zu Beginn etwas schüchtern und ängstlich sind. Gib ihnen etwas Zeit, denn auch sie müssen sich erst einmal an ihre neue Umgebung und Situation gewöhnen. Bestimmt hast du bereits davon gehört, dass Wellensittiche, die allein gehalten werden, schneller zahm werden, als Wellensittiche, die paarweise oder in Schwärmen gehalten werden. Dies mag vielleicht stimmen, aber wir raten dringend davon ab, deinen Wellensittich ohne andere Artgenossen zu halten. Dies führt oft zu anderen Probleme und macht deinen kleinen Liebling nur unnötig traurig. Mit ein wenig Übung schaffst du es auch, wenn du mehrere Wellensittiche hältst, diese zutraulich und zahm zu bekommen. Wir erklären dir daher heute, wie du deinen Wellensittich zähmen kannst.

Mache deine Wellensittiche mit dir und seiner Umgebung vertraut

Anfangs werden deine Wellis jedes Mal zurückzucken, wenn du mit deinen Händen in ihre Behausung greifst oder im Freifluggehege stehst. Hier kommt es vor allem auf eine Sache an: Geduld! Setze deine Wellensittiche nicht unter Druck. Du wirst sehen, dass sie sich immer mehr an dich und die Umgebung gewöhnen werden.

Baue erstes Vertrauen auf

Zu Beginn solltest du dich erst einmal passiv verhalten. Greife in den ersten Tagen nach Ankunft nach Möglichkeit nicht nach ihnen und lass sie erst einmal „in Ruhe“. Halte dich in der Nähe des Käfigs, der Voliere oder des Freifluggeheges auf und gehe dort deinen alltäglichen Dingen nach. Höre leise Musik, lies ein Buch oder setze dich zum Essen zu ihnen. So gewöhnen sich die Wellensittiche an deine Stimme und dein Auftreten. Stelle dich auch einmal zu ihnen und sprich mit ruhiger Stimme zu ihnen. Laute Geräusche und quietschende Töne verängstigen die kleinen Papageien nur weiter unnötig und sollten daher von dir vermieden werden. Falls du Kinder hast, erkläre ihnen die Situation und sie werden es verstehen. Du wirst sehen, dass die anfängliche Scheue immer mehr nachlässt. Nach und nach wirst du beobachten, wie deine Wellis die neue Umgebung, ihre Futterplätze und Spielzeuge erkunden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Freiflug?

Eins ist klar – Freiflug ist für deine Vögel ebenfalls ein wichtiger Aspekt, denen du ihnen auf jeden Fall gewähren solltest. Jedoch solltest du nicht ab Tag eins damit starten. Mache erst einmal kleine Fortschritte. Wenn du nach ein paar Tagen merkst, dass sie sich in ihrer neuen Behausung eingelebt haben und sich auch an die Umgebung drumherum gewöhnt haben, öffne die Tür der Behausung. Einige Käfige oder Volieren bieten hierfür extra große Türen, die du öffnen kannst. Dann heißt es abwarten. Ein Fehler, den du auf keinen Fall machen solltest, ist es, deine Wellis zum Verlassen der Behausung zu zwingen. Dies schadet nicht nur dem Vertrauensverhältnis, das du zu ihnen gerade aufbaust, sondern verängstigt sie auch noch dazu. Scheuchst du deine Wellensittiche hinaus, damit sie fliegen, geraten sie in Panik und es kann dabei auch zu Flugunfällen kommen, die tödlich enden können. Deine Wellis entscheiden selbst, wann der richtige Zeitpunkt ist.

Irgendwann wird einer den Anfang machen und sich aus der Behausung trauen und du wirst schnell sehen, dass die anderen ihm folgen werden. Zunächst werden sie sich erst noch auf der Behausung oder in der Nähe hiervon aufhalten. Irgendwann fängt der erste mutige Wellensittich dann an seine ersten Runden im Raum zu drehen. Sobald die anderen merken, wie toll das ist, werden sie es ihm nachmachen. Sollte einer deiner Wellis bei einem seiner ersten Flugversuche verletzen, schaue genau hin, ob er sich verletzt hat oder blutet. Die Wachshaut und die Nase der kleinen Vögel sind oft sehr empfindlich und fängt schnell an zu bluten. Eine blutende Wunde sollte umgehend von einem vogelkundigen Tierarzt versorgt werden. Wellensittiche verfügen nicht über eine große Menge Blut und so kann jeder Tropfen mehr deinem Wellensittich das Leben kosten.

Wie schnell wird ein Wellensittich zahm?

Wie jeder Wellensittich-Besitzer wünscht sicherlich auch du dir, dass deine kleinen Schützlinge zahm sind und beispielsweise auf deine Hand kommen und dir zufliegen, wenn du nach ihnen rufst. Dies geschieht jedoch nicht von heute auf morgen. Sei dir bewusst, dass dies sehr viel Arbeit und Geduld in Anspruch nehmen wird und nicht selten mehrere Wochen, Monate oder sogar auch Jahre dauern kann. Dies kommt natürlich auch auf den Wellensittich generell an, manche fassen schneller Vertrauen zu dir, bei anderen hingegen siehst du erste Fortschritte erst nach einigen Monaten.

Futter bricht das erste Eis

Wie bei den meisten Tieren ist Futter ein gutes Mittel zum Vertrauensaufbau auch bei deinen Wellis. Probiere es am besten mit einem Zweig Kolbenhirse, denn hier wird jeder Wellensittich früher oder später schwach und kann nicht widerstehen. Zunächst solltest du noch nicht in die Behausung mit deiner Hand greifen. Halte den Kolben Hirse erst einmal von außen durch die Käfigstäbe in Richtung deiner Wellensittiche. Trauen sie sich noch nicht sofort, sei nicht entmutigt. Sollten deine Vögel nach einigen Minuten nicht zu dir kommen, um die Hirse zu essen, lass es für den Moment gut sein und versuche es entweder später oder am nächsten Tag noch einmal. Irgendwann wird der mutigste Welli auch hier wieder den Anfang machen und alle anderen werden folgen. Wenn dies gut klappt, kannst du den nächsten Schritt wagen.

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Greife nun mit einem Hirsekolben in der Hand haltend in den Käfig und bewege deine Hand vorsichtig auf deine Wellis zu. Sollten sie ängstlich wirken oder sogar wegfliegen, breche den Versuch ab und starte einen erneuten auch wieder später oder am darauffolgenden Tag. Alles andere würde nur wieder dem Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinen Wellensittichen schaden. Irgendwann wird dir auch dies gelingen und du wirst sehen, wie schnell die Hirsesamen in den Schnäbeln der kleinen Racker verschwinden. Sollte der Fütterungsversuch schiefgehen, obwohl er dir am Vortag gelungen ist, lass dich nicht demotivieren. Vergiss nicht, dass auch Vögel tagesformbedingt andere Stimmungen haben. Einige Wellis haben manchmal keine guten Erfahrungen mit den menschlichen Händen gemacht und müssen diese erst wieder mit guten ausgleichen. Mach also immer weiter! Sollte dies klappen, versuche dasselbe auch einmal mit nur einem kleinen Element des Hirsekolbens. So gewöhnen sich deine Wellis nach und nach immer weiter an dich.

Jetzt kannst du es auch einmal versuchen, die Kolbenhirse oder auch andere Leckereien auf deine flache Hand zu legen und diese dann mit ein wenig Abstand und vorsichtig in den Käfig zu halten. Du wirst sehen, dass mit ein wenig Geduld sich auch hier irgendwann der erste deiner Wellensittiche auf deine Hand traut. Auch dies übst du dann am besten mehrere Tage. Alternativ kannst du auch einfach deine flache Hand ohne Futter in den Käfig halten, ohne etwas zu machen. Auch so gewöhnen sich deine Vögel hieran und verlieren die Angst.

Erste Annäherungen und Streicheleinheiten ohne Futter

Wie bereits erwähnt, ist es auch zu jeder Zeit wichtig, dass du dich hin und wieder auch mit deinen Wellis unterhältst. Umso eher sie sich an deine Stimme und deren Klang gewöhnen, desto eher reagieren sie auf deine Rufe. In einigen Fällen geben deine Vögel dir nach einiger Zeit sogar eine „Antwort„, wenn du sie rufst. Nun kannst du auch einmal versuchen, deinen Wellensittichen ohne Futter in der Hand näherzukommen. Sollten sie keine Angst mehr vor deiner Hand allgemein haben, nähere dich ihnen immer ein Stückchen näher. Wenn sie nicht wegfliegen, versuche jetzt den ersten deiner Wellensittiche vorsichtig zu berühren und beobachte, wie er sich dabei verhält. Zunächst werden die meisten Vögel kurz zusammenzucken. Sollten sie wegfliegen oder eine schnelle und starke Atmung bekommen, deutet dies darauf hin, dass sie sich in dieser Situation noch nicht wohlfühlen. Breche dann lieber ab und versuche es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Funktionieren die ersten Berührungsbegegnungen dann irgendwann, gehe immer einen Schritt weiter. Irgendwann wird sich dein Wellensittich im besten Fall von dir streicheln lassen. Jedoch gefallen die Streicheleinheiten nicht jedem Vogel. Schaue also genau, was dein Welli mag und was eher nicht. Oft sind die Vorlieben deiner Wellensittich auch unterschiedlich je nach Geschlecht deines Wellis oder verändern sich auch mit der Zeit immer wieder.

Wellensittich auf deine Hand locken

Du kannst auch versuchen, deinen Wellensittich auf deinen Finger zu nehmen. Umso näher du ihm kommen darfst, desto besser kannst du dies mit ihm trainieren. Nähere dich dem Wellensittich auch hierfür langsam und ruhig mit deiner Hand. Versuche ihn mit deinem ausgestreckten Zeigefinger vorsichtig unter seinem Bauch zu berühren. Manchmal klappt es direkt, dass du ihn damit animierst, auf deinen Finger zu hüpfen oder zu gehen. Für den Anfang legt er vielleicht erst einmal nur einen seiner beiden Füße auf deinen Finger, da die Situation neu für ihn erst und er sich hieran erst einmal gewöhnen muss. Übung macht den Meister. Wiederhole dies am besten mindestens einmal täglich. Irgendwann werden sich deine kleinen Freunde auch außerhalb ihrer Behausung auf deine Hand trauen und sich sogar etwas weiter auf deinen Arm trauen. Auch die Schulter oder der Kopf sind beliebte Anflugziele von zahmen Wellensittichen.

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Dinge, die du bei sehr zahmen Wellensittichen jedoch beachten solltest

Sind deine Wellensittiche sehr zahm und kommen sie auch von selbst zu dir geflogen, hast du es geschafft. Dies ist natürlich ein Grund zur Freude. Jedoch solltest du in diesem Stadium auch einige Dinge beachten. Haben sich deine Wellensittiche an dich gewöhnt und keine Scheu mehr vor Menschen und anderen Gegenständen, neigen einige Vögel dazu, sich auch auf Möbel oder dem Fußboden aufzuhalten. Habe daher deine Wellis immer im Blick. Oft werden diese kleinen Vögel schnell übersehen und können daher verletzt werden.

Auch kann es passieren, dass sich dein Wellensittich voller Freude, dich zu sehen, unbemerkt auf deinen Kopf oder deine Schulter setzt. So besteht die Gefahr, dass dein Wellensittich ungewollt in die Freiheit nach draußen gelangt. Leider ist es in den meisten Fällen so, dass die Vögel dann nicht mehr von alleine zurückfinden und die Überlebenschancen in freier Wildbahn eher gering sind. Vergewissere dich daher, ob du wirklich alleine den Raum oder das Haus verlässt oder dich dein Welli-Freund dabei begleiten möchte.

Zahme Wellensittiche möchten dich gerne auf Schritt und Tritt begleiten, weil sie sehr neugierige und treue Lebensbegleiter sind. Dies gilt auch dann, wenn du dein Frühstück, Mittag- oder Abendessen zu dir nimmst. Achte darauf, dass dein Wellensittich nicht von deinen Speisen nascht. Dies kann gut gehen, kann aber auch sehr gefährlich für den Vogel werden. Du solltest ihm also ausschließlich artgerechtes Wellensittich-Futter geben, wie z.B. Körnerfutter und einige Obst- und Gemüsesorten.

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